Faszination Tee

März, 2016 | Claudia Stern

„Doch im selben Moment, da der Schluck Tee, gemischt mit Gebäckstückchen, meinen Gaumen berührte, fuhr ich zusammen, denn ich fühlte, dass etwas Ausserordentliches mit mir geschah. Ein köstliches Gefühl hatte sich in mir ausgebreitet, unvermittelt, ohne einen

Begriff von seinem Grund. Sogleich wurden mir die Wechselfälle des Lebens gleichgültig, seine Katastrophen harmlos, seine Kürze eine Illusion, auf dieselbe Weise, wie es auch die Liebe bewirkt, indem ein kostbarer Gedanke mich erfüllte: oder besser gesagt, dieser

Gedanke war nicht in mir, er war ich ...

Und wie in dem Spiel, bei dem die Japaner in einer mit Wasser gefüllten Porzellanschüssel kleine Papierstückchen eintauchen, die bis dahin unansehnlich aussehen und sich bei der Berührung des Wassers entfalten, drehen, verschiedene Farben zeigen und zu Blumen, Häusern,

Personen werden, so sind alle Blumen in unseres Gartens und die des Parks, die Seerosen des Flusses, die Leute des Dorfes und ihre kleinen Häuser, die Kirche und ganz Combray, alles was Form und Gestalt annahm, aus meiner Tasse Tee entstanden.“

Zitat aus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust (1871 - 1922)

 

Auf mehreren Seiten beschreibt Marcel Proust in seinem Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ wie der Genuss einer in Tee getunkten Madeleine eine Welle aus Emotionen in ihm auslöst. Doch gehen wir noch einmal zum Anfang. Giessen wir den Tee zurück in die Kanne, legen wir das Madelaine wieder auf den Teller und beginnen die Geschichte von vorn. Der Geist soll zurück in die Flasche, denn ich bin noch nicht bereit für den Tee, der mir Einblicke und Ausblicke in mein Leben gewährt. Ich möchte den Tee selber zubereiten, hören, was er zu sagen hat, das Gefühl dafür bekommen, wie viel Tee ich nehmen muss, wie heiss das Wasser sein muss, wie lange er ziehen soll.

 

Ich kaufe den Tee. Aber nicht einfach einen Beuteltee und auch nicht einfach einen offenen Tee. Nein, ich stelle Ansprüche an den Tee, als ginge es um mein Leben. Der Tee ist jetzt das Wichtigste. Ich überlege mir lange, wie er aussehen muss, wie er riechen soll. Und dann, der

erste Schluck, auf den ich mein ganzes Leben gewartet habe, der muss perfekt sein, muss all meine Erwartungen erfüllen ... Muss er?

 

Ich werde aus meinem Traum wach, frage mich, wie ich dazu gekommen bin, Ansprüche an den Tee zu stellen und werde mir bewusst, dass es gar keine Ansprüche gibt, die man stellen kann. Wie ein Geistesblitz, wie der Geist in der Flasche, der sich für einen Augenblick zeigt,

erkenne ich, dass ich immer Ansprüche an das Leben gestellt habe und viel Hoffnung auf Erfüllung beansprucht habe. Hoffnung, ein leeres Wort, denn in dem Wort Hoffnung steckt die Erwartung und in diesem Wort wiederum die Hoffnung. Es ist wie der Hund, der sich

selbst in den Schwanz beisst. Es ist das Karussell, das uns nirgendwo hinbringt, der Anfang ist zugleich auch das Ende der Fahrt. Was für Aussichten! Warum machen wir alle diese Fahrten, warum steigen wir nicht einfach aus, drehen uns um und nehmen einen neuen Weg?

Höre ich da Zweifel und Besorgnisse?

 

Auch der Ich-Erzähler in Prousts Roman stand kurz bevor er den Löffel mit dem Tee und die Madelaine zum Munde führte genau vor diesen Bedenken. Warum sollte er Tee trinken, das hat er doch bis jetzt auch nie getan. Vielleicht waren es sein Mut und seine Neugierde, die ihn dazu gebracht haben, vielleicht war es einfach auch nur der Tee, der ihn dazu bewogen hat, die eine wichtige Kehrtwende in seinem Leben zu machen. Vielleicht sollten wir auch daran denken und eine neue Abzweigung nehmen.

 

Wie viel tragen wir Tag für Tag von unseren alten Gewohnheiten mit uns herum, mit dem Gefühl, dass sie schon immer da waren und schon immer zu uns gehört haben, und dass wir sie nicht ablegen dürfen, nicht ablegen können? Die Vergangenheit ist vorbei, daran kann

man nichts mehr ändern. Aber wir können uns entscheiden, ob wir sie mit uns herumschleppen oder ablegen wollen. Wenn wir sie allerdings mit uns herumschleppen, sind wir immer erschöpft und müde, vom Tragen dieser großen Last. Uns fehlt dann die Kraft für

neue Wagnisse.

 

Der Tee des Ich-Erzählers von Proust hat ihm aber eine ganz neue Welt eröffnet, hat ihn alles ablegen lassen, von dem er nie gedacht hatte, dass man es überhaupt ablegen kann und darf. Er wurde frei und offen, der Geist kam aus der Flasche und, es war kein Geist der Angst,

es war der Geist, der wunderbaren neuen Welt, die er fast nicht in Worte fassen konnte. Die Welt des Tees brachte ihn zu ihm selbst und zu seinem wahren Leben.

 

Jetzt koche ich Wasser und nehme den Tee, rieche und lasse mich verzaubern, giesse Wasser darauf und warte wenige Augenblicke, die mich näher zu meinem ersten Schluck bringen und dann – dann ist der Moment da. Ich führe die Tasse zu meiner Nase und zu meinem

Mund, rieche, geniesse den Augenblick und alles um mich herum verschwindet. Ich werde eins mit meinem Tee, fühle mich verbunden und die Grenzen verschwinden. Ich nehme den ersten Schluck. Mein Gaumen ist entzückt von den Düften nach Blumen, Fürchten und den

lebendigen Blättern, die mein Wasser verzaubert haben. Dieses Abenteuer, dass ich jetzt jeden Tag erleben kann, lässt mich Tag für Tag weiter von meiner Vergangenheit wegrücken, nimmt mir das Gewicht, das ich viel zu lange mit mir herumgetragen habe. Nur der Tee kann

mich bei vollem Bewusstsein verzaubern und mich den Duft des Lebens geniessen lassen.

 

Doch welchen Tee wählen?

Diese Frage können nur Sie beantworten. Tee ist nicht gleich Tee. Wichtig ist es ein Gespür für den Tee zu bekommen und ihn dann nach Ihrer Art zuzubereiten. Es gibt trotzdem ein paar Regeln, die von Vorteil sind, wenn man sie beachtet:

 

  • Das Wasser sollte von guter Qualität sein. Wenn Sie in einer Region wohnen, wo das Wasser zum Beispiel mit viel Chlor versetzt ist dann sollten Sie Ihr Wasser vielleicht besser kaufen.
  • Tee von sehr guter Qualität ist das A und O. Kaufen Sie immer offenen Tee bei dem Teehändler Ihres Vertrauens. Am Anfang lohnt es sich kleine Mengen zu kaufen (20 bis 30 Gramm) so haben Sie die Möglichkeit den Tee zu degustieren und kennenzulernen.
  • Die Temperatur spielt vor allem beim Grünen Tee eine Rolle. Ist das Wasser über 80° wird er schnell sehr bitter und ungeniessbar.
  • Wie lange Sie einen Tee ziehen lassen ist Ihnen überlassen, je nach Geschmack. Beginnen Sie mit einer kurzen Ziehdauer, ca. 1 bis auf 2 Minuten und bei einer weiteren Tasse können Sie die Zeit steigern und sehen ob er Ihnen immer noch schmeckt. Tee von guter Qualität kann man immer mehrmals aufgiessen.
  • Nehmen Sie für eine Tasse Tee so viel Tee wie zwischen Ihre drei Finger passen, Daumen, Zeige- und Mittelfinger.

KONTAKT

Meyo House Yoga Basel

Lindenberg 8

Im 2. Stock

4058 Basel

 

078 303 3322

info@meyohouse.com

 

Besuche uns auf facebook und Instagram

ANFAHRT STUDIO

ÖV:

bis Wettsteinplatz, Tram Nr 2,

Bus Nr 31, 34 

bis Rheingasse mit Tram Nr 6, 8, 14, 17, Bus Nr 34

 

Parkmöglichkeiten:

Im Parkhaus Rebgasse

 

Den Innenhof durchqueren und beim Haus Nr 8 reingehen, 2. Stock rechts.